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Eigener Drucker oder Druckservice? Was sich für wen lohnt.

Ein Drucker kostet heute weniger als ein gutes Fahrrad. Trotzdem ist er nicht für jeden die günstigere Antwort. Eine ehrliche Rechnung, auch dort, wo sie gegen uns ausgeht.

Von Lesezeit 6 Min.Stand

Links ein kompakter 3D-Drucker auf dem Schreibtisch, rechts ein Paket mit fertigem BauteilKI-generiertes Symbolbild

Wir hören die Frage oft, und sie ist berechtigt: Warum sollte man Bauteile fertigen lassen, wenn ein brauchbarer Drucker so wenig kostet? Die Antwort hängt kaum am Gerät. Sie hängt an allem, was um das Gerät herum passiert.

Was ein eigener Drucker wirklich kostet

Den Anschaffungspreis sieht jeder. Die übrigen Kosten liegen wie bei einem Eisberg unter der Wasserlinie, und sie summieren sich schneller, als man denkt.

AnschaffungMaterial für FehldruckeZeit für Vorbereitung und NacharbeitWissen, das man sich erarbeitetZusatzgeräte
Abb. 1Der Kaufpreis ist nur die Spitze. Darunter liegen die Kosten, die erst im Betrieb auffallen.

Da ist zunächst das Material, das nie im fertigen Teil landet: Stützstrukturen, Fehldrucke, Probedrucke. Gerade am Anfang geht ein erheblicher Teil des Filaments für Versuche drauf. Das ist keine Ungeschicklichkeit, sondern die Lernkurve des Verfahrens.

Dazu kommt Zeit, die niemand abrechnet. Vor dem Druck wird das Modell vorbereitet, ausgerichtet und in Schichten zerlegt, danach werden Stützen entfernt, Kanten geschliffen und Maße geprüft. Bei einem Teil ist das ein netter Abend. Bei zwanzig Teilen ist es ein Arbeitstag.

Am schwersten wiegt das Wissen, das man sich erst erarbeiten muss. Warum sich eine Ecke hebt, warum die erste Schicht nicht hält, warum ein Teil in der einen Richtung bricht und in der anderen nicht: Das steht in keiner Anleitung, das lernt man an misslungenen Teilen. Und mit den Ansprüchen wächst die Ausstattung. Technische Kunststoffe brauchen einen geschlossenen Bauraum, faserverstärkte eine gehärtete Düse, Polyamide einen Trockner.

Der Drucker für 400 Euro druckt PLA hervorragend. Und ASA gar nicht.

Wann sich ein eigener Drucker lohnt

Trotzdem gibt es den Fall, in dem der eigene Drucker die bessere Wahl ist, und er ist häufiger, als ein Dienstleister gerne zugibt. Vier Voraussetzungen sprechen dafür:

  • Sie brauchen regelmäßig Teile. Nicht dreimal im Jahr. Ein Gerät, das steht, ist teurer als jeder Auftrag.
  • Die Anforderungen sind mild. Anschauungsmodelle, Halterungen, Gehäuse und Passproben, bei denen ein Zehntelmillimeter nichts entscheidet.
  • Jemand im Haus hat Freude daran. Das ist kein weicher Faktor, sondern der härteste. Ohne diese Person steht das Gerät nach zwei Monaten still.
  • Sie wollen schnell iterieren. Fünf Versionen an einem Nachmittag sind mit eigenem Gerät möglich und über einen Dienstleister unbezahlbar.

Treffen drei dieser vier Punkte zu, kaufen Sie einen Drucker. Wir sagen Ihnen das lieber jetzt als nach dem dritten Auftrag.

Wann ein Dienstleister günstiger ist

Genauso klar ist die Gegenrichtung. In diesen Situationen ist das eigene Gerät die teurere Lösung, selbst wenn es schon im Büro steht:

Situation Warum ein Dienstleister günstiger ist
Der Bedarf ist unregelmäßig Ein Ersatzteil, eine Kleinserie, ein Prototyp vor der Freigabe. Hier zahlen Sie das Teil, nicht das Gerät.
Das Teil muss etwas aushalten Sobald Last, Wärme, UV oder Chemie im Spiel sind, entscheidet der Werkstoff, und die Auswahl kostet mehr als der Drucker.
Es kommt auf Maße an Wiederholbare Toleranzen über eine Serie sind eine Frage von Kalibrierung, Messmitteln und Erfahrung.
Der Termin steht Ein Fehldruck am Abend vor der Messe ist ein Problem. Bei uns ist er einer von mehreren Drucken, die parallel laufen.
Ein anderes Verfahren ist nötig SLA für feine Details, ein Scan für ein Teil ohne Zeichnung: Geräte, die sich für gelegentlichen Bedarf nicht rechnen.

Der dritte Weg

In der Praxis entscheiden sich die wenigsten für nur eine Seite. Meist spielt sich eine Arbeitsteilung ein: Der eigene Drucker übernimmt, was er gut kann, alles Anspruchsvollere geht nach außen.

Eigener DruckerSchnelle VersionenHalterungenAnschauungsteile aus PLAund PETGDruckserviceFaserverstärkte TeileFeine SLA-OberflächenSerien mit MaßhaltungErsatzteile ohne Vorlage
Abb. 2So teilen sich eigener Drucker und Druckservice in vielen Betrieben die Arbeit.

Das ist kein Kompromiss, sondern vernünftige Arbeitsteilung. Wer selbst druckt, weiß außerdem genauer, was er bestellt. Solche Anfragen sind für beide Seiten die angenehmsten.

Fazit

Ob sich ein eigener Drucker lohnt, entscheidet nicht sein Preis, sondern wie oft Sie ihn brauchen, wie anspruchsvoll Ihre Teile sind und ob sich jemand darum kümmert. Für alles, was halten, maßhaltig sein oder in einem anderen Verfahren entstehen muss, ist ein Dienstleister meist günstiger.

Und wenn Sie unsicher sind: Schicken Sie uns das Bauteil und schreiben Sie dazu, wie oft Sie so etwas brauchen. Wir sagen Ihnen ehrlich, was sich rechnet.

Unsicher, was sich für Sie lohnt?

Schicken Sie uns das Bauteil oder die Datei und schreiben Sie dazu, wie oft Sie so etwas brauchen.